30 Mai 2025

Zofia Posmysz: Urlaub an der Adria

Klappentext:
Den Tag, den Augenblick genießen, das hat SIE sich für diesen Urlaub vorgenommen, doch dann vernimmt SIE plötzlich neben sich die SPRACHE, sieht ihn, den SIE aus einer anderen Zeit zu kennen glaubt, und eine Atmosphäre des Mißtrauens und äußerster Angespanntheit bricht auf. Die qualvolle Wiederbegegnung mit der Vergangenheit wird unvermeidlich:
Sich an niemanden binden – diese elementare Verhaltensregel des Lagerlebens hatte SIE durchbrochen. SIE, die „alte Nummer“, hatte Ptaszka, die Schwache, schützen wollen. Der mörderische Wettlauf um Posten, bessere Kleidung, einen vollen Magen sollte einen anderen Sinn bekommen als das eigene Überleben. Doch Ptaszka, so scheint es, ist zum Sterben bereit.
Die Nacht, als SIE in panischer Angst das ganze Lager absuchte, und in jedem stärkeren Heulen des Windes Ptaszkas Todesschrei zu hören glaubte, ist für SIE nicht vorbei.

Die Autorin:
Zofia Posmysz wurde 1923 in Kraków geboren. Nach Abschluß der Schule und des Gymnasiums wurde sie 1942 auf den Verdacht konspirativer Tätigkeit hin verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz überführt. Später auch im KZ Ravensbrück und Neustadt-Cleve. 1945 Rückkehr nach Polen; Polonistikstudium. Tätig als Journalistin, später als Leiterin der Literaturabteilung beim Polnischen Rundfunk. Autorin zahlreicher Reportagen, Hörspiele, Fernsehspiele und Filmszenarien. Seit 1976 freischaffend. In der DDR wurde sie durch ihr Buch „Die Passagierin“ bekannt, das erfolgreich verfilmt wurde und 1963 in Cannes den internationalen Kritikerpreis erhielt.

Titel des polnischen Originals: „Wakacje nad Adriatykiem“
Ins Deutsche übertragen von Hubert Schumann
Schutzumschlag und Einband: Monika Böhmert

Verlag Neues Leben, Berlin
1. Auflage 1985

28 Mai 2025

Denis Diderot: Jaques der Fatalist und sein Herr

Klappentext:
Dieser berühmte Roman, in dem Jacques der Fatalist von den mannigfaltigen Liebesabenteuern seines an merkwürdigen Begebenheiten reichen Lebens als Soldat und im Dienste vornehmer Herren berichtet, gehört zu den amüsantesten und geistvollsten Werken der französischen Literatur. Diderot versteht es, die Spannung des Lesers fortgesetzt zu steigern, indem er immer neue Zwischenfälle erfindet, um Jacques in seiner Erzählung zu unterbrechen. Dabei führt er neue Gestalten ein, die ihrerseits wieder Geschichten erzählen, so daß das Ganze zu einem in vielen Facetten funkelnden Spiegel jener Epoche wird, die man als die „galante Zeit“ bezeichnet hat. Aus all diesen Geschichten erhellt, daß das sinnentolle Genußleben des Adels nicht ein Zeichen von Kraft, sondern die letzte Lebensäußerung einer dem Untergang geweihten Herrenschicht ist, deren Angehörige nicht wissen wollen, daß sie nicht ohne Knechte, die Knechte aber sehr wohl ohne Herren bestehen können.

Titel der französischen Originalausgabe: Jacques le fataliste et son maître
Aus dem Französischen übersetzt von W. Chr. S. Mylius (1792)

Schutzumschlagentwurf: Heinz Hellmis

Verlag Rütten & Loening Berlin
Reihe:
BDW - Bibliothek der Weltliteratur
1. Auflage 1963
2. Auflage 1968
3. Auflage 1974
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Neuübersetzung

Der Diener Jacques und sein adeliger Herr, der im Roman nicht mit Namen genannt wird, reisen neun Tage lang durch Frankreich. Zur Unterhaltung tauschen sie Anekdoten aus, diskutieren über philosophische Fragen, über die Willensfreiheit und über Vorherbestimmung, und Jacques erzählt seine Liebesgeschichte. Dabei wird er immer wieder durch unglückliche Ereignisse unterbrochen, die Anlass zu neuen Geschichten bieten, die von Zufallsbekannten erzählt werden, die ihrerseits von unvorhergesehenen Ereignissen unterbrochen werden.
Zusätzlich räsoniert der Erzähler über die Möglichkeiten, die er habe, um die Handlung des Romans zu verändern, reiht Stichpunkte auf, wie er Ereignisse in eine andere Richtung lenken könnte, und er verwickelt schließlich den fiktiven Leser in Diskussionen über den Roman, dessen Protagonisten etc.. Gegen Ende des Romans erfährt der Leser beiläufig, dass die Bezahlung einer Amme, die ein dem Herrn untergeschobenes Kind versorgt hatte, Anlass dieser Reise war, dass Jacques seine verlorene Liebe wiederfindet und dass sich, getreu dem bisherigen Verlauf des Romans, neue Verwirrungen abzeichnen.

Dteutsch und mit einem Nachwort von Christel Gersch
Verlag Rütten & Loening Berlin
Reihe:
BDW - Bibliothek der Weltliteratur
1. Auflage 1981

weitere Ausgaben

Einbandtext:
In "Jaques der Fatalist" erkennt sich Diderot der Philosoph als Diener und träumt davon, daß er der Herr seiner Herren würde, daß alle Diener Herr der Herren würden und er infolgedessen zu einer Welt vordringt, in der es weder Herren noch Diener mehr gibt; er träumt davon, daß er mit seinem Leser machen könne, was er wolle, und er mit ihm in eine Welt gelange, in der jeder ein Liebhaber und Philosoph ist, in eine Welt, die sich endlich lesbar wie ein Buch zeigt, eine große Schriftrolle, die sich entrollt, über deren Abschnitte wir unseren Blick schweifen lassen und in der wir von der Schrecknis des Todes befreit würden, weil wir in der Lage wären, die "Adresse" zu lesen, die nach den Worten Jacques' und seines Hauptmanns ... jede Kugel trägt, die aus einem Gewehrlauf kommt. - Michel Butor

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
Reihe:
TdW - Taschenbibliothek der Weltliteratur
1. Auflage 1980

weitere Ausgaben


Denis Diderot – Das erzählerische Werk in 4 Bänden

Band 3: Jacques der Fatalist und sein Herr

Rütten & Loening, Berlin
1. Auflage 1979

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Das erzählerische Werk in vier Bänden, im Pappschuber

Band 3: Jacques der Fatalist und sein Herr

Rütten & Loening, Berlin
1. Auflage 1984

 

24 Mai 2025

Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten

Einbandtext:
Dieses Werk darf als das klassische Muster einer analytischen Untersuchung gelten. Freud geht von einer äußerst sorgfältigen Analyse der Technik des Witzes aus und steigt von dieser Technik, das heißt von der Form, zu der dem Witz entsprechenden unpersönlichen Psychologie auf. Dabei vermerkt er, daß sich für den Psychologen der Witz trotz aller Ähnlichkeit vom Traum grundlegend unterscheidet. ›Der wichtigste Unterschied liegt in ihrem sozialen Verhalten. Der Traum ist ein vollkommen asoziales seelisches Produkt; er hat einem anderen nichts mitzuteilen... der Witz dagegen ist die sozialste aller auf Lustgewinn zielenden seelischen Leistungen.‹ Diese feine exakte Analyse ermöglicht es Freud,... für drei so verwandte Formen wie den Witz, das Komische und den Humor drei ganz verschiedene Lustquellen anzugeben.
Lew S. Wygotski, ›Psychologie der Kunst‹, 1925
Der Band enthält außerdem Freuds Schriften ›Der Wahn und die Träume in W. Jensens, Gradiva'‹ und ›Der Dichter und das Phantasieren‹ sowie einen Essay von Hermann Kähler, der sich u. a. mit dem Mechanismus der Verdrängung aus der Sicht des Literaturwissenschaftlers und -kritikers befaßt.

Inhalt:
Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten .. .. .. 5
  A. Analytischer Teil .. .. .. 5
    I Einleitung .. .. .. 5
    II Die Technik des Witzes .. .. .. 12
    III Die Tendenzen des Witzes .. .. .. 80
  B. Synthetischer Teil .. .. .. 107
    IV Der Lustmechanismus und die Psychogenese des Witzes .. .. .. 107
    V Die Motive des Witzes. Der Witz als sozialer Vorgang .. .. .. 128
  C. Theoretischer Teil .. .. .. 146
    VI Die Beziehung des Witzes zum Traum und zum Unbewußten .. .. .. 146
    VII Der Witz und die Arten des Komischen .. .. .. 166
 Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva .. .. .. 220
   I. Kapitel .. .. .. 220
   II. Kapitel .. .. .. 248
   III. Kapitel .. .. .. 267
   IV. Kapitel .. .. .. 286
Nachtrag zur zweiten Auflage (1912) .. .. .. 292
Der Dichter und das Phantasieren .. .. .. 295
Hermann Kähler: Der Witz, die Träume und die schöpferische Phantasie des Schriftstellers .. .. .. 305
Register der Witze und Wortspiele .. .. .. 335

Mit einem Nachwort von Hermann Kähler
Gestaltung: Lothar Reher/Hanna Mesik

Gustav Kiepenheuer Verlag, Leipzig und Weimar
Lizenzausgabe der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Reihe:
Gustav Kiepenheuer Bücherei Nr. 64
1. Auflage 1985 [  1. - 15. Tsd.]
2. Auflage 1989 [16. - 33. Tsd.]

22 Mai 2025

Heinz Kruschel: Meine doppelte Liebe

Einbandtext:
Die neunzehnjährige Erle, deren Freund Matti zur Armee einberufen wird, lernt einen kubanischen Studenten kennen. Sie will Matti nicht weh tun und führt ein Doppelleben, das sie in Konflikte bringt.

Buchanfang:
Seine Berührung spüre ich noch. Manchmal, wenn mir einer sehr sympathisch ist, wünsche ich mir, er möge mich anfassen, mir die Hand geben oder die Hand auf meinen Arm legen. Nicht mehr leben möchte ich, wenn mich kein Mensch mehr berühren würde...
Nun ist er weg. Ob er genug Socken mitgenommen hat? Vorn doziert Ernst, unser Lieblingsprofessor, er sieht mich an. Dreißig Prozent sollen die Arbeit verhauen haben. Sie müssen nachschreiben. Ich bin nicht dabei. Ich denke an Matti.
Draußen ist Waschküchennebel. Mancherorts wird bei solchem Wetter Smogalarm gegeben. Matti wird inzwischen in der „Taiga“ sein und sich leid tun.
Dreizehn Stunden ist es schon her. Er wird angekommen sein nach so langer Fahrt. Ich spüre noch seine Lippen und Hände und habe mich seitdem nicht gewaschen.
Er ist losgezogen. Gezogen ist genau das richtige Wort, halb zog es ihn, halb..., nein, es zog ihn ganz tüchtig. Er wurde gezogen, früh um fünf. Draußen der dichte Nebel, seine Mutter und ich in der Tür. Er Tränen in den Augen. Der Eingezogene ist rückwärts gegangen und hat gewinkt, nach zehn Metern haben wir das Winken nicht mehr sehen können. Ich weiß von Willi, daß sie die Jungen manchmal vier Stunden lang warten lassen, bis der Zug abfährt. Ich hätte Vorlesung und Seminar geschwänzt, aber er wollte allein gehen. Ich hätte ihn souverän gemacht, denn er wirkte schwach und so traurig. Wie er im Nebel verschwand, das war ein Abschied wie im Kino. Frau Richards hat geweint. Ich habe nicht geheult, aber einen Schmerz in der Herzgrube habe ich gespürt. Die letzte Nacht haben wir kaum geschlafen, weil wir zwischen Himmel und Erde lagen. Gesprochen, geflüstert, damit seine Eltern nichts hörten. Aber sie wußten ja, das Mädchen ist bei ihm. Wir haben Pläne gemacht.

Illustrationen von Wolfgang Würfel

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
Neue Edition für junge Leute
1. Auflage 1983
2. Auflage 1984
3. Auflage 1985   
4. Auflage 1990

 

weitere Ausgaben


Einbandtext:
Die neunzehnjährige Erle, deren Freund Matti zur Armee einberufen wird, lernt einen kubanischen Studenten kennen. Sie will Matti nicht weh tun, sie will ihm treu sein, wenigstens für die Dauer der Armeezeit. Erle beginnt ein Doppelleben zu führen, das sie in Konflikte bringt, die sie nicht durchstehen kann: sie möchte ehrlich sein.

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
Kompaß-Bücherei ; Bd. 360
1. Auflage 1987 
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Buchclub 65
Lizenz d. Verl. Neues Leben, Berlin
1. Auflage 1984

21 Mai 2025

Lewis Wallace: Ben Hur – Erzählung aus der Zeit Christi

Nach einer alten Übersetzung bearbeitet und gekürzt

Inhalt:
Erstes Buch

In der Wüste .. .. .. 7
Das Zusammentreffen der drei Weisen .. .. .. 9
Kaspar, der Grieche .. .. .. 14
Melchior, der Inder .. .. .. 17
Balthasar, der Ägypter .. .. .. 21
Das Joppe-Tor .. .. .. 31
Josef und Maria .. .. .. 33
Die Höhle in Betlehem .. .. .. 36
Das Licht am Himmel .. .. .. 44
Die Geburt Christi .. .. .. 45
Ankunft der Weisen in Jerusalem .. .. .. 53
Die Weisen vor Herodes .. .. .. 55
Das Christuskind .. .. .. 64
Zweites Buch
Rom und Judaa .. .. .. 69
Ben Hur und Messala .. .. .. 72
Judas Frage .. .. .. 78
Antwort der Mutter .. .. .. 87
Unfall des Gratus .. .. .. 91
Der Gefangene .. .. .. 104
Drittes Buch
Quintus Arrius .. .. .. 108
Am Ruder .. .. .. 114
Arrius und Ben Hur .. .. .. 122
„Nr. 60“ .. .. .. 129
Die Seeschlacht .. .. .. 134
Arrius adoptiert Ben Hur .. .. .. 144
Viertes Buch
Ben Hurs Rückkehr .. .. .. 151
Ankunft in Antiochia .. .. .. 154
Bei Simonides .. .. .. 158
Simonides und Esther .. .. .. 168
Begegnung in der Rennbahn .. .. .. 176
Rachepläne .. .. .. 184
Der Palmenhain .. .. .. 190
Malluchs Bericht .. .. .. 195
Ein römisches Fest .. .. .. 201
Scheik Ilderim .. .. .. 209
Balthasar, der Ägypter .. .. .. 215
Ben Hur und das Wunder .. .. .. 217
Balthasars Auslegung .. .. .. 221
Ben Hurs Zweifel .. .. .. 228
Fünftes Buch
Gratus wird gewarnt .. .. .. 233
Vorbereitungen zum Rennen .. .. .. 237
Messala hält Wache .. .. .. 245
Der aufgefangene Brief .. .. .. 246
Die Probefahrt .. .. .. 251
Die Anerkennung .. .. .. 255
Das verheißene Königreich .. .. .. 261
Esther und Ben Hur .. .. .. 270
Messalas Streich .. .. .. 274
Der Zirkus .. .. .. 278
Der Beginn des Wettrennens .. .. .. 283
Das Wettrennen .. .. .. 289
Eine Einladung .. .. .. 299
Im Palast von Idernee .. .. .. 302
Sechstes Buch
Zelle Nr. 6 .. .. .. 309
Die Aussätzigen .. .. .. 315
Wieder in der Heimat .. .. .. 326
Eine Prüfung der Liebe .. .. .. 329
Amrahs Treue .. .. .. 333
Pilatus – Der Kampf .. .. .. 341
Siebentes Buch
Der Herold .. .. .. 351
Eine Begegnung .. .. .. 353
Unsterblichkeit .. .. .. 358
Bei Bethabara .. .. .. 364
Achtes Buch
Esther .. .. .. 373
Ben Hurs Erzählung .. .. .. 375
Frohe Botschaft .. .. .. 380
Geheilt .. .. .. 387
Am Vorabend des Paschafestes .. .. .. 395
Die Maske fällt .. .. .. 398
Ben Hurs Rückkehr zu Esther .. .. .. 405
Getsemani .. .. .. 407
Der Gang nach Golgota .. .. .. 412
Die Kreuzigung .. .. .. 418
Im Dienste Christi .. .. .. 430
Nachwort
Eine Erzählung aus der Zeit Christi .. .. .. 437

Illustrationen und Einbandgestaltung: Reinhard Minkewitz

St. Benno-Verlag GmbH Leipzig
1. Auflage 1989  



19 Mai 2025

Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn: Heureka – Methoden des Erfindens

Wer träumt nicht davon, einmal im Leben Großes, Eigenes zu vollbringen, um mit Goethe sagen zu können: „Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn.“
Doch reicht die Kraft? Reicht das Können, reichen die Fähigkeiten? Wird man als Genie geboren? Sind gute Einfälle, Ideen vom Zufall abhängig? Ist Begabung erlernbar?
Auf all diese Fragen geben Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn Antwort und beschreiben auf anschauliche Weise Methoden des Erfindens und Entdeckens.

Buchanfang:
Bei einem Erfolg ist manchmal das Glück im Spiel, aber immer im Spiel sind Zähigkeit und Ausdauer.
Manfred von Ardenne

Vom Sinn dieses Buches
„Heureka, heureka, heureka“ mit diesem Freudenschrei soll Archimedes (geb. um 287 v. u. Z., gest. 212 v. u.Z.) aus der Badewanne gesprungen und nackt durch die Straßen seiner Stadt gerannt sein. Endlich, endlich hatte er die Lösung gefunden.
Hieron, der Tyrann von Syrakus, hatte ihn beauftragt, eine Krone, die angeblich aus reinem Gold sein sollte, genau nachzuprüfen. Hieron schöpfte den Verdacht, daß dem Golde Silber beigemischt worden war. Archimedes kannte zwar das spezifische Gewicht des Goldes, doch um die gestellte Aufgabe zu lösen, brauchte er außerdem das Volumen des reichverzierten Schmuckstückes. Ja, wenn er sie einschmelzen oder zu einem Würfel hätte hämmern können, dann wäre die Aufgabe leicht. Aber so fand er keine Antwort. Er grübelte und grübelte. Nichts! Als er eines Tages in den Waschzuber stieg, um sich zu baden, kam ihm plötzlich die Idee. Er beobachtete, wie sich der Wasserspiegel hob. Das mußte die Lösung sein: So viel, wie er von seinem Körper hineintauchte, so viel Wasser wurde verdrängt, und verdrängtes Wasser kann abgemessen werden. Ebenso ließ sich das Volumen der Krone berechnen.
Glücklich sprang er aus der Wanne. Archimedes kam der Zufall zu Hilfe.
Welcher junge Mensch träumt nicht davon, einmal in seinem Leben eine Idee hervorzubringen, die bisher noch niemand gehabt hat? Wohl jeder möchte in seinem Leben einmal etwas Einmaliges schaffen, um wie Goethe sagen zu können: „Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehn.“ Denn der tiefste Sinn des menschlichen Lebens liegt im schöpferischen Handeln für die Mitwelt und die Nachwelt. Wer dem Fortschritt der Menschheit dienen möchte, muß mithelfen, die Aufgaben und Probleme seiner Zeit mit Hingabe, Leidenschaft und Verstand zu lösen.
Denn den Kommunismus zu erreichen ist eine der größten und begeisterndsten Aufgaben des Menschen. Daran mitzuwirken verlangt aber, nach Selbstverwirklichung und Vervollkommnung zu streben, Mühen nicht zu scheuen, nicht über den Alltag von heute das Morgen zu vergessen, nicht irgendwann genügsam zu werden, sich mit Bisherigem zu bescheiden, mit erst Halbem, schon Erreichtem. Daran mitzuwirken heißt aber auch: nicht austauschbar werden, sondern immer nach dem Höchsten streben, das Zukunftsbild durch eigene Taten mitprägen. Schweißer werden, aber ein guter, Maurer werden, aber der beste, Wissenschaftler, aber mit vollem Einsatz – eben das Beste aus den Jahren des eigenen Lebens machen.
Doch das Vertrauen in die eigene Kraft ist nicht ungetrübt. Der Wille ist da, aber genügen die Fähigkeiten? Wissen kann erworben werden, aber wie ist das mit den eigenen Ideen, den ganz neuen Lösungsvorschlägen für die Gestaltung unseres Lebens und für die Beseitigung aller Hemmnisse, die es noch einengen? Wird das mir gelingen, gerade mir?
Fragen über Fragen! Das Wissen um die Einmaligkeit der eigenen Persönlichkeit ist gepaart mit dem Zweifel – wenn auch nur selten –, ob das eigene Leben Grenzen setzen wird. Und liegen diese Grenzen gerade dort, wo das Schöpferische beginnt? Wird es gelingen, diese Grenzen der Erkenntnis hinauszuschieben?
Viele Jahrhunderte galten schöpferische Persönlichkeiten als Außenseiter oder als fast überirdische Wesen. Die Menschheitsentwicklung vollzog sich aus unserer Sicht im Schneckentempo. Noch vor 100 Jahren fuhren auf den Straßen keine Autos, keine Motorräder, brannte kein elektrisches Licht, gab es kein Telefon, kein Radio, keinen Fernseher, kein Tonbandgerät, keinen Plattenspieler, keine Schreibmaschine, kein Flugzeug, keine Mondraketen, keine Marssonden, keine Sputniks.
Sind nicht also die meisten Erfindungen bereits gemacht, die meisten Entdeckungen bereits vollzogen? Kann man überhaupt Planck und Einstein, Thomas Mann, Goethe, Brecht oder Picasso, Marx, Engels oder Lenin, Gorki und Majakowski nacheifern?
Ja, man kann! Denn es gibt eine entscheidende Parallele. So wie wir standen auch sie vor der Frage: Wo ist mein „Neuland“? Das Finden des „mir Gemäßen“ ist die erste schöpferische Leistung des einzelnen. Sie kann ihm zwar von niemandem abgenommen werden, doch für ihre Bewältigung erhält im Sozialismus jeder die Unterstützung der Gesellschaft. Denn unsere Gesellschaft will und kann es sich nicht leisten, auch nur ein Talent nicht zu entwickeln, ein Genie nicht zu fördern, eine Persönlichkeit verkümmern zu lassen. Und historisch wird die sozialistische Gesellschaft auch danach bewertet, was sie für die Persönlichkeitsentwicklung der in ihr lebenden Menschen getan hat.
Um zu höchsten Leistungen auf allen Gebieten zu gelangen, reichen die Bedingungen der Umwelt allein nicht aus. Dazu gehört auch der persönliche Einsatz des einzelnen, gehören Mut und Leidenschaft. Auch im Sozialismus kann die Wahrheit an bequemen Gewohnheiten rütteln, die für wahr angenommen werden, weil sie längere Zeit ungeprüft existiert haben und deswegen gut begründet und abgesichert zu sein scheinen. Ausdauer und Kraft werden dann oft notwendig sein, der schöpferisch entdeckten Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.
Und noch etwas möchten wir nicht vergessen: Schöpferisch tätig sein bereitet viel Spaß. Wir möchten niemanden um diesen Spaß betrügen. Natürlich kann man nicht den ganzen Tag nur schöpferisch tätig sein. Das kann nicht einmal ein Wissenschaftler. Selbst seine Tätigkeit, die doch hauptsächlich auf die schöpferische Erkenntnis von Neuem gerichtet ist, erfordert viele unschöpferische Arbeiten.
Wenn auch noch viele Bereiche des schöpferischen Denkens und Handelns der Menschen unerforscht sind, so gibt die Wissenschaft doch heute schon jedem Hinweise, wie er sein schöpferisches Denken weiter verbessern kann. Wir haben in diesem Buch viele Gedanken anderer zusammengetragen und haben auch unsere Ideen und Erfahrungen hinzugegeben, wie man lernen kann, schöpferisch zu denken und zu handeln. Nicht alle Ratschläge werden für alle gleichermaßen brauchbar sein. Aber das ist auch nicht so gedacht. Wir möchten durch diese Fülle von Anregungen dazu beitragen, daß der Leser selbständig zu einer Methode gelangt, die ihm hilft, besser als bisher sein Denken zu beherrschen und es zum Nutzen unserer Gesellschaft einzusetzen. Ob und wie der einzelne diese Anregung aufgreift, das hängt allerdings von ihm selbst ab.
Wir wünschen viel Spaß dabei!
Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn

Inhalt:
   7 .. .. .. Vom Sinn dieses Buches
1 Schöpferisch denken – aber wie?
   10 .. .. .. Schöpfertum - was ist das?
   20 .. .. .. Der Sprung über den eigenen Schatten
   25 .. .. .. Vom Anspruch an sich selbst
   35 .. .. .. Der Denkprozeß unter der Lupe
2 Wege zur Beherrschung des Wie
   45 .. .. .. Seit Jahrhunderten bewährt
   49 .. .. .. Versuch-und-Irrtum-Methode
   56 .. .. .. Die Chrie
   60 .. .. .. Prinzip des Rückwärtsarbeitens
   69 .. .. .. Methoden aus unserer Zeit
   70 .. .. .. Das Produktive Prinzip
   86 .. .. .. Algorithmus des Erfindens
   97 .. .. .. Die Systematische Heuristik
   105 .. .. .. Die Ideenkonferenz
   113 .. .. .. Die Synektik
   121 .. .. .. Die Delphi-Methode
   126 .. .. .. Problemlösungsstrategien
3 Techniken des Suchens
   146 .. .. .. Produktive Feldanalyse (PFA)
   154 .. .. .. Die Eigenschafts-Veränderungs-Technik
   157 .. .. .. Morphologische Technik
   165 .. .. .. Aktivitätslisten-Verfahren
   170 .. .. .. Das W-Fragen-Prinzip
   171 .. .. .. Das BUWE
4 Immer auf Ideensuche
   174 .. .. .. Immer auf Ideensuche

Über die Autoren:
Stationen
Dr. sc. paed. Gerlinde Mehlhorn (Jahrgang 1942) studierte nach dem Abitur an der Karl-Marx-Universität Leipzig Geschichte/Germanistik, belegte ein Zusatzstudium in Journalistik und war anschließend als Lehrerin tätig. 1966 kehrte sie an die Universität zurück. Seit 1979 ist sie Dozent für Hochschulpädagogik an der Sektion Pädagogik und beschäftigt sich hauptsächlich mit Hochschuldidaktik.
Dr. sc. paed. Hans-Georg Mehlhorn (Jahrgang 1940) nahm nach dem Abitur ebenfalls ein Studium im Fach Geschichte/Germanistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig auf (Zusatzstudium Journalistik) und blieb als wissenschaftlicher Assistent an der Universität. 1970 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Jugendforschung Leipzig; seit 1977 ist er Leiter der Abteilung Jugend und Bildung dieses Instituts.
Gemeinsamkeiten
Beide entdeckten sich bereits an der Oberschule; während des Studiums begannen sie, sich mit der Entwicklung geistiger Fähigkeiten zu beschäftigen. Der „äußere Zwang“ ihrer Arbeit und persönliche Interessen fielen glücklich zusammen.
Veröffentlichtes
Beide schrieben zahlreiche Artikel, Beiträge und Serien für Zeitungen und Zeitschriften, sind Mitautoren verschiedener Publikationen und Bücher. Gemeinsam schrieben sie u. a. die Bücher „Ideenschule“, „Zur Kritik der bürgerlichen Kreativitätsforschung“, „Zur Untersuchung des schöpferischen Denkens bei Schülern, Lehrlingen und Studenten“.

Umschlag: Helmut Wengler
Karikaturen: Henry Büttner

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
nl-konkret Nr. 39
1. Auflage 1979
2. überarb. Auflage 1981

13 Mai 2025

Peter Jacobs: Weil ich Jane Fonda bin – Absage an eine Traumfabrik

„Ich glaube, unser System zerstört jede wirkliche Individualität. Die Gesellschaft ist ein Dschungel, wo der Verschlagenste und Stärkste siegt, egal, wie viele kaputtgehen. Sie ist eine Bedrohung für alle Armen, Ungeschickten, Verletzbaren und Schwachen. Deshalb muß man verstehen, sich auf die richtige Seite zu schlagen."
Jane Fonda

Die Abtrünnige
Um die amerikanische Filmschauspielerin Jane Fonda, die so vehement gegen die Vietnamaggression und soziale Mißstände in ihrer Heimat zu Felde gezogen war, schien es gegen Mitte der siebziger Jahre ruhiger zu werden. Aus Hollywood kam die Nachricht, daß die "schöne Abtrünnige" zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder vor den Kameras der amerikanischen Filmfabrik stünde.

Sofort hatte Jane Fonda wohlwollende Publicity bei jener Presse, von der sie so lange bespöttelt, beschimpft und verleumdet worden war. "Der politische Lack bei ihr ist ziemlich ab", triumphierte ein Nachrichtenmagazin in der BRD. Eine britische Zeitung schrieb beifällig, die "Hanoi-Jane" habe "ihren Weg zurück in den amerikanischen Traum" gefunden. Ein Westberliner Blatt mutmaßte: "Es sieht so aus, als habe die amerikanische Traumfabrik sie als reuige Sünderin akzeptiert, und es sieht so aus, als würde Jane Fonda diese Chance mit beiden Händen ergreifen."...

Inhalt:
6 .. .. .. Zur zweiten Ausgabe
9 .. .. .. Barbarella
21 .. .. .. Von Kennedy bis Kent
29 .. .. .. Ein Kuß irritiert Louisiana
35 .. .. .. Die zornigen Söhne des großen Manitu
44 .. .. .. Januartag in San Rafael
51 .. .. .. Ein Gl sagt aus
59 .. .. .. Und wenn es mich das Leben kosten sollte
67 .. .. .. Wieviel verzeiht Hollywood?
77 .. .. .. Sie gab sich nicht den Gnadenschuß
88 .. .. .. Ich habe jeden Tag geweint
99 .. .. .. „Oh America...“
110 .. .. .. Wo ist das Glück?
Anhang
125 .. .. .. Denn wir sind ein gutes Volk
132 .. .. .. Filme mit Jane Fonda

Über den Autor
Stationen
Peter Jacobs, Jahrgang 1938, studierte nach dem Abitur Journalistik in Leipzig. Seit 1975 ist er bei der „Neuen Berliner Illustrierten“ als Redakteur für Außenpolitk tätig. Reportagereisen führten ihn in 4 Kontinente, unter anderem in die Sowjetunion, SRV, nach Indien, Libanon, Ägypten, Kuba, Mexiko, Peru, Argentinien, Italien und in die BRD.
Publikationen
Seine Bücher sind ein Niederschlag dieser Reisen:
„Bengalisches Feuer. Unabhängigkeitskampf in Bangladesh“ (1973), „Transit Santiago. Begegnungen in Lateinamerika“ (1975), „Hanoi am Tage vor dem Frieden“ (1973), zwei Bildbände zusammen mit dem Fotografen Thomas Billhardt: „Noch steht der Schiefe Turm...“ (1976) und „Die Drushba-Trasse“ (1978). Weiterhin schrieb er „Troy“ – ein Kinderbuch (1978) sowie zahlreiche Artikel und Reportagen unter anderem in „horizont“, „Die Weltbühne“ und in der „Wochenpost“.
Die Idee für das vorliegende Buch entstand bei einer Begegnung mit Jane Fonda auf der Dokumentar- und Kurzfilmwoche 1974 in Leipzig. 1980 wird von Peter Jacobs erscheinen: „Auf dem Regenbogen reitet der Tod. Hintergründe der Rauschgiftsucht in kapitalistischen Ländern“.

Umschlag: Helmut Wengler

Verlag Neues Leben, Berlin
Reihe:
nl konkret 25
1. Auflage 1976
2. überarb. Auflage 1980
3. überarb. Auflage 1982
4. bearb. Auflage 1983