31 Januar 2022

Irmtraud Fessen-Henjes; Fritz Gruner; Eva Müller: Erkundungen - 16 chinesische Erzähler

"Erkunder" nannte sich 1957 eine Gruppe junger chinesischer Schriftsteller, die das Anliegen vertrat, die Wirklichkeit in ihren positiven wie negativen Erscheinungen zu erkunden. Die chinesische Literatur nach 1976 führt diese Tendenz weiter. Im Bewußtsein ihrer traditionellen erzieherischen Funktion setzt sie sich mit Problemen der Gegenwart und Vergangenheit auseinander.

Die sechzehn Erzählungen dieses Bandes wurden zwischen 1979 und 1981 publiziert. Den Autoren - Debütanten der zwanziger bis siebziger Jahre - ist bei aller Unterschiedlichkeit der Erfahrung, des Temperaments und der Handschrift eines gemeinsam: ihr Engagement für die sozialistische Gesellschaftsordnung in China, das sie befähigt, Themen von aktueller Bedeutung aufzugreifen und konstruktive Kritik an Mißständen und moralischem Fehlverhalten zu äußern. Auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Umwälzungen der letzten Jahrzehnte schildern sie die wechselvollen Schicksale von Bauern, Arbeitern, Gewerbetreibenden, Künstlern und Gelehrten. Sie berichten von Leid und Schuld und von den Schwierigkeiten derer, die neu beginnen, sie registrieren die Einsamkeit von Auslandschinesen oder gestalten die Konflikte von Jugendlichen in der Liebe, in der Familie, im Beruf. So vermitteln die realistischen Texte nicht nur einen Einblick in die zeitgenössische chinesische Kurzprosa, sie geben in vielfältiger literarischer Form Auskunft über das Leben in China seit den vierziger Jahren.

Verlag Volk und Welt Berlin, 1984
 

Bertolt Brecht: Die Gewehre der Frau Carrar

BERTOLT BRECHT (1898-1956). Im Juli 1936 rief Dolores Ibárruri das spanische Volk über den Rundfunk zum Kampf gegen die Franco Putschisten auf: "Antifaschisten, werktätiges Volk! Erhebt euch alle! … Mit dem Ruf: 'Der Faschismus kommt nicht durch – die Henker des Oktober kommen nicht durch!' zerschmettern Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten und Republikaner, die Soldaten und alle dem Willen des Volkes treuen Kräfte die aufrührerischen Verräter … Das ganze Land zittert vor Empörung angesichts der Handlungen dieser Schurken, die das demokratische Volksspanien mit Feuer und Schwert in eine Hölle des Terrors und der Folter verwandeln wollen … Frauen, heldenhafte Frauen des Volkes! Erinnert euch des Heldentums der asturischen Frauen! Kämpft auch ihr an der Seite der Männer, verteidigt gemeinsam mit ihnen das Brot und die Ruhe eurer Kinder, deren Leben in Gefahr ist …"

Brechts Stück von den Wandlungen der Mutter Carrar, 1937 geschrieben, ist ein Beitrag zu diesem Kampf und zu allen Kämpfen, in denen das Brot und die Ruhe der Kinder verteidigt werden müssen.

 Reclams Universal-Bibliothek Band 140
18. Auflage

Aljonna und Klaus Möckel: Erkundungen - 16 vietnamesische Erzähler

"Uhrmacherwerkstatt, Linie Nr. 1, Dien Bien Phu. Reparaturen kostenlos." Zwischen Bombentrichtern und Flakgeschützen entdeckt der Politkommissar dieses kleine, sorgfältig gemalte Schild. Mit einem Bambussplitter befestigt, hängt es am Eingang eines Unterstandes. Während der Feuerpause verrichtet hier Uhrmacher Phong seine Arbeit. Aus Beutestücken und Stacheldraht hat er sich das notwendige Werkzeug zusammengestoppelt. Als der Kommissar nach vier Tagen zurückkehrt, findet er seine reparierte Uhr vor, nicht aber Phong - bei dem Versuch, ein Geschütz zu bergen - hat der Uhrmacher von Dien Bien Phu den Tod gefunden.

Der Krieg ist das große, doch nicht ausschließliche Thema der vorliegenden Erzählungen. Dreißig Jahre lang war er grausame Realität in Vietnam. Diese zu erkunden, das Antlitz der Menschen zu zeigen, die sich unter so schweren Bedingungen behaupten mußten - das ist das Anliegen der in dieser Anthologie vereinten sechzehn Prosaschriftsteller aus dem Norden und Süden des Landes. Ihre vorwiegend im letzten Jahrzehnt entstandenen Texte machen deutlich, daß sich die Menschen Vietnams auch inmitten eines mörderischen Krieges ihre Träume, ihre Güte und Warmherzigkeit zu bewahren vermochten, jene moralische Größe, dank der es ihnen gelang, einen übermächtigen Gegner zurückzuwerfen und ihr Land wieder zu vereinigen.

Verlag Volk und Welt Berlin, 1977, 1979

28 Januar 2022

Gunnar Ekelöf: Der Weg eines Außenseiters. Erzählungen und Essays

Gunnar Ekelöf (1907-1968). Seine "Tradition reicht weit in Zeit und Raum, von der öden Lappmark bis Indien und China, vom Prediger, dem Hohenlied und den Schöpfungsmythen bis zum Experiment Finnegans Wake; im gleichen Maße, wie er der orientalischen und mittelalterlichen Mystik nachforschte auf der Suche nach dem Einen - der Unio Mystika der Gegensätze - zog ihn Casja Warg mit ihren gastronomischen Greifbarkeiten an". (Reidar Ekner)
Man nannte Ekelöf den modernsten Lyriker Schwedens, denn er hat der schwedischen Sprache des zwanzigsten Jahrhunderts eine Modernität, Flexibilität und Ausdruckskraft gegeben wie kein anderer. Stand Lyrik auch immer im Vordergrund seines Schaffens, so ist es doch die kleine Prosa, die dem Leser wohl am ehesten den Zugang zum Werk des Dichters ermöglicht. Ihre sehr konkrete, durchsichtige Sprache ist von einer ebensolchen "verhaltenen Expressivität" wie die seiner Lyrik. Die Beiträge unserer Auswahl entstanden in den dreißiger und vierziger Jahren: Die Machtergreifung der Faschisten in Deutschland, spanischer Bürgerkrieg, zweiter Weltkrieg, Nachkrieg bilden den Hintergrund der Überlegungen, provozieren den Dichter zu ständiger Neubefragung des eigenen Lebens.

Reclams Universal-Bibliothek Band 1015, 1. Auflage 1983

Manfred Otto: Berliner Küche - Mit 200 Berliner Rezepten

Vorwort

Die erste Auflage dieses Buches fand großes Interesse. Deshalb haben sich die Berlin-Information und der Autor entschlossen, eine weitere Auflage der "Berliner Küche" herauszugeben. Für alle neuen Leser dieser nunmehr dritten Auflage sei aus dem Vorwort zur ersten zitiert:

Manches, was hier beschrieben wird, ist weitgehend unbekannt oder im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten. Einiges davon in Erinnerung zu rufen und die Traditionen der Berliner Küche wieder beleben zu helfen, dazu sollen die nachfolgenden Seiten einen Beitrag leisten. Ich möchte all denen danken, die dieses Vorhaben unterstützt haben, besonders der Berliner Ratsbibliothek, dem Theodor-Fontane Archiv der Deutschen Staatsbibliothek in Potsdam, dem Bertolt-Brecht-Haus der Akademie der Künste der DDR und dem Interhotel "Stadt Berlin". Dem Zentralinstitut für Ernährung der Akademie der Wissenschaften der DDR Potsdam-Rehbrücke und dem Berliner Stadtarchiv möchte ich für die wertvollen Hinweise in ihren Gutachten danken. - Manfred Otto

Buchbeginn

Was ist die Berliner Küche?
Die Berliner Küche ist so alt wie die Siedlungen, aus denen die Stadt hervorgegangen ist, und hat ihren Ursprung bei den germanischen und slawischen Stämmen, die Cölln und Berlin besiedelt haben, lange bevor es Städte wurden. Den Bewohnern von Cölln sagt man nach, daß sie sich an den Ufern der Spree vorwiegend vom Fischfang ernährten, während ihre Nachbarn im wahrsten Sinne des Wortes ihr Brot durch Feldarbeit verdienten, denn sie begannen mit dem später berühmt gewordenen Roggenanbau. Zur Berliner Küche gehört aber auch das, was auf den kargen Feldern der frühen Mark Brandenburg - zwischen Elbe und Oder, zwischen Prenzlau und Spreewald - angebaut, verarbeitet, gekocht, gegessen und getrunken wurde. In seinem Gedicht "Das Land Gosen" spricht Theodor Fontane von Dill, Morchel und Teltower Rüben aus märkischen Fluren, von Krebsen in der Oder, Fetthammelherden auf dem Barnim, Gerste, Graupen und Malz aus dem Oderbruch, Honig aus Kienbaum, Milch aus dem Havelland sowie von Werderschen Kirschen und Aprikosen...

Inhaltsverzeichnis

- Vorwort

- Was ist die Berliner Küche?

- Kulinarische Memoiren der Familie Fontane

- Heinrich Heine besang die Erbsensuppe

- Die Hugenotten und das Gemüse

- Mißtrauisch gegenüber Kartoffeln

- Fischnahrung seit Jahrtausenden

- Von Eisbein bis Gänsebraten

- Der Rübenzucker kam aus Kaulsdorf

- Von Brezeln, Schrippen und Schusterjungen

- Das Berliner Bier und seine Geschichte

- Wein vom Prenzlauer Berg

- Königliches Kaffeeverbot

- Kneipen, Budiken, Weinstuben und anderes

- Den Berliner zieht's ins Grüne

- 200 Berliner Rezepte

- Suppen

- Kalte Speisen

- Gemüse

- Kartoffeln, Klöße und ähnliches

- Eierspeisen

- Fischgerichte

- Fleischgerichte

- Wild und Geflügel

- Süßspeisen und Desserts

- Kuchen und Gebäck

- Kalte und warme Getränke

- Alphabetisches Rezeptregister


Berlin-Information, 3. Auflage

 

Heinrich von Kleist: Der Zweikampf. Erzählungen

Der Begriff des "Spannenden" ist mit dem der Erzählung eng verbunden. Mit Recht: erzählen heißt spannen, und des Erzählers Kunst ist, zu unterhalten noch mit dem, was eigentlich langweilig sein müßte, zu spannen selbst mit dem der Sache nach Altvertrauten, dessen Verlauf und Ausgang jeder schon kennt. Nicht dieser Art ist die Spannung, die Kleist, der Erzähler, erzeugt. Er hält es mit dem Wortsinn des Namens "No velle", der "Neuigkeit" heißt.

Was er mit unbeweglicher Miene vorbringt, sind Neuigkeiten, unerhört; und die Spannung, in der sie den Leser halten, hat etwas unheimlich Spezifisches. Sie ist Besorgnis, Schrecken, das Grauen vor dem Rätselhaften, Zwiespalt der Vernunft, der ängstliche Eindruck, daß Gott sich irrt - "Verwirrung des Gefühls". Es ist nicht zuviel gesagt: Er weiß auf die Folter zu spannen - und es fertigzubringen, daß wir's ihm danken. - Thomas Mann (1954)

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1983
Abbildung: "Das Turnier mit dem Simsonteppich" von Lucas Cranach (Detail)
Taschenbibliothek der Weltliteratur (TdW)
Anmerkungen von Peter Goldammer

 

27 Januar 2022

Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull

Von jeher hatten Schriftsteller ihren Spaß daran, lebenskluge Männer darzustellen, die, sich am Rande der Gesellschaft herumtreibend, es mit der Moral nicht allzu genau nehmen und sich aus dem großen Kuchen Welt ihr bescheiden oder auch unbescheiden Teil herausschneiden. Dem Erzspitzbuben Autokylos des Homer, den liebenswerten Picaros der großen Spanier, dem Gil Blas des Lesage, dem Simplicius des Grimmelshausen hat jetzt Thomas Mann seinen Felix Krull zugesellt...
Das Buch ist rimantisch im besten Sinne des Wortes... Es sind einmalige, unvergeßliche Seiten; sie werden, wenn einmal in hundert Jahren ein Literaturkenner das Beste zusammenstellt, was die Prosa unserer Generation hervorgebracht hat, kaum fehlen. - Lion Feuchtwanger

Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1. Auflage 1984
Abbildung: M. Dudovich, "Mondäne Heilgymnastik" (Detail)
Taschenbibliothek der Weltliteratur

 


Insel-Bücherei Nr. 312, 1950
Insel-Verlag Anton Kippenberg, Leipzig
Insel-Bücherei Nr. 312
Auflage: Auflage / 1932
Auflage / 1948 - 21.-30. Tsd.
Auflage / 1950 - 31.-40. Tsd.
4. Auflage / 1999