03 September 2023

Französische Lyrik von Baudelaire bis zur Gegenwart – zweisprachig

Ein Jahrhundert französischer Poesie wird hier lebendig, bedeutende Dichter haben das Wort: Baudelaire, Verlaine, Rimbaud, Mallarmé, Claudel, Cocteau, Saint-John Perse, Eluard, Aragon, um nur einige klangvolle Namen zu nennen. Als Vertreter der verschiedensten Epochen und Strömungen wirkten sie auf die europäische Dichtkunst. In tief empfundenen Nachdichtungen gingen einige von ihnen in die deutsche Literatur ein, so Baudelaire oder Rimbaud in der Übertragung Georges, Valéry in der Rilkes, Verhaeren in der Stefan Zweigs. Jene bereits klassischen Nachdichtungen stehen hier neben neueren und neuesten Übertragungen.
Die Gedichte lassen eine reiche Tradition und eine folgerichtige Entwicklung sichtbar werden, wenn sie auch im einzelnen eine sehr differenzierte Wirkung auf den Leser ausüben, der sein Denken und Fühlen in ihnen wiederfinden möchte: „Unser Gefühl muß nicht immer identisch sein mit dem eines Gedichts, aber es muß immer ein solches sein, das wir als menschlich wahr empfinden können, wodurch unser eigenes Gefühl sich zu vertiefen und zu erweitern vermag.“ (J. R. Becher)

Kurt Schnelle (Hrsg.)

Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig
Reclams Universal-Bibliothek Band 266
VERSDICHTUNG | Lyrik

1. Auflage 1961
2. Auflage 1962
3. Auflage 1967
4. Auflage 1970
5. Auflage 1974

[1. und 2. Auflage unter RUB 8926/27]

Hermann Hesse: Unterm Rad

Hermann Hesse (1877-1962), in schweren Werdejahren zum Dichter gewachsen, zieht in der Erzählung "Unterm Rad" frühe Bilanz: "In der Geschichte und Gestalt des kleinen Hans Giebenrath ... spielte ich ein wenig den Ankläger und Kritiker jenen Mächten gegenüber, denen Giebenrath unterliegt und denen einst ich selber beinahe unterlegen wäre: der Schule, der Theologie, der Tradition und Autorität." Hier ist schon im Keim die Problematik enthalten, die Hesse lebenslang beschäftigen sollte: die Suche nach Möglichkeiten der Menschlichkeit und Kunst in einer ihnen feindlichen bürgerlichen Endzeit. Thomas Mann, die Gesamtleistung des Dichters überschauend, konnte sagen: "Dies keusche und kühne, verträumte und dabei hoch intellektuelle Werk ist voller Überlieferung, Verbundenheit, Erinnerung, Heimlichkeit - ohne im mindesten epigonenhaft zu sein. Es hebt das Trauliche auf eine neue, geistige, ja revolutionäre Stufe - revolutionär in keinem direkten politischen oder sozialen, aber in einem seelischen, dichterischen Sinn: auf echte und treue Art ist es zukunftssichtig, zukunftsempfindlich."

Reclams Universal-Bibliothek
Erzählende Prosa, Erzählung
 

Theodor Fontane: Unterm Birnbaum

In einem Bauerndorf im Oderbruch ist im Herbst 1831 plötzlich der Krakauer Handlungsreisende Szulski verschwunden. Folgendes ist bekannt. Szulski hat beim Gastwirtsehepaar Hradscheck, zu dem ihn Geschäfte geführt haben, übernachtet und wollte am nächsten Tag, noch im Morgengrauen, wieder fortfahren. Der Knecht hat sich zwar gewundert, daß der Reisende nicht ein Wort gesprochen und sich auch sonst recht seltsam verhalten hatte, doch den Vorfall kurze Zeit darauf wieder vergessen.
Am Mittag kommt die Nachricht, daß der Wagen des Handlungsreisenden in der Oder liegt, vermutlich ist er in der Dunkelheit vom Damm gestürzt. Doch die Leiche des Fremden ist nicht aufzufinden. War es ein Unfall? War es Mord?
Diese Erzählung, die Fontane selbst eine "Kriminal-Novelle" nannte, hat mit Recht ihren Platz unter den Kriminalerzählungen der Weltliteratur erhalten.

Verlag Neues Leben Berlin
Kompass
 

Boris Polewoi: Nürnberger Tagebuch

Der Eichensaal des Nürnberger Justizpalastes liegt in gleichmäßig fahlem, quälendem Licht. Neben Marlene Dietrich in US-Uniform sitzt Boris Polewoi, Prawda-Korrespondent beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß. Wägend blickt er zur Anklagebank. Gut möglich, daß Hitlers einstige Führung früher in gleicher Sitzordnung auf der Ehrentribüne der Nürnberger Parteitage Platz nahm. Bloß das Triumvirat Hitler, Himmler, Goebbels fehlt. Wie alltäglich sich die Angeklagten geben! Nichts Diabolisches, zwei Reihen von Biedermännern – so sitzen sie da. Der Dicke dort in der grauen Wildlederuniform, erste Reihe rechts, ist also Hermann Göring – Deutschlands Nazi Nummer zwei, der den Reichstag ansteckte, die „Nacht der langen Messer“ organisierte, die Eroberung Österreichs, der Tschechoslowakei vorbereitete, der öffentlich gedroht hatte, London, Leningrad, Moskau dem Erdboden gleichzumachen. Und jener Hagere da mit dem knochigen Gesicht - Rudolf Heß, Hitlers rechte Hand in der Nazipartei, – Mitautor der Nazifibel „Mein Kampf“; jener Große – der Handlungsreisende in internationalen Verschwörungen Joachim von Ribbentrop; und der Militär mit den kantigen Zügen und dem glatt zurückgekämmten Haar – Feldmarschall Wilhelm Keitel, Miturheber Hitlers Eroberungsplänen ...

Zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte wurde in Nürnberg über Kriegsbrandstifter zu Gericht gesessen, wurden Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit, wurde der militante Imperialismus verurteilt. Polewois Nürnberger Tagebuch ist Chronik des Prozesses, zugleich aber Buch der Erinnerung an eigenes Kriegserleben und Begegnungen mit bedeutenden Zeitgenossen wie Georgi Dimitroff und Ludvik Svoboda, Karel Hájek und Marie Majerová, Alexander Fadejew und Konstantin Fedin, Nikolai Shukow, den Kukryniksy und vielen anderen. Aktueller Anlaß für seine Veröffentlichung sind dem Autor Neonazismus und imperialistische Aggression ein Vierteljahrhundert nach dem Prozeß.

Verlag Volk und Welt, Berlin
Autorisierte Fassung

Auflagen

1. Auflage / 1971
2. Auflage / 1972
3. Auflage / 1974
4. Auflage / 1974
Buchclub 65 1. Auflage / 1975

 

Igor Akimuschkin: In der Welt der Tiere


Der berühmte schwedische Naturforscher Carl von Linné, der vor zweihundert Jahren lebte, war ein ausgezeichneter Kenner der Tiere. Er kannte alle, die damals von Wissenschaftlern entdeckt waren.
Nun gibt es aber sehr viele Tiere. Über eine Million verschiedener Arten und Abarten. Was ist eine Million? Das sind tausend mal tausend! Ja, so viele Tiere gibt es auf unserer Erde!
Jedes Lebewesen, ob nun Vogel, Käfer oder Fisch, hatte in verschiedenen Ländern verschiedene Namen. Das führte natürlich zu einem heillosen Durcheinander, denn wissenschaftliche Bezeichnungen für Tiere und Pflanzen, die alle Gelehrten verstanden, hatte sich noch keiner einfallen lassen. Auf diese Idee kam Carl von Linné.
Er führte die doppelnamige Benennung der Pflanzen- und Tierarten ein. Die eine bezeichnete das bestimmte Tier und ist so etwas wie der Vorname beim Menschen, die zweite gab er allen engsten Verwandten dieses Tieres, so eine Art Familienname.
Nehmen wir den Hund. Er erhielt folgende Benennung: „Hund, Haushund“, seinen wilden Vorfahren, den Wolf, nannte Carl von Linné „Hund, Wolf“, den Schakal „Hund, goldenen“.
Wissenschaftler bewiesen, daß nicht nur der Wolf und der Schakal Verwandte des Hundes sind, sondern auch der Fuchs, der Eisfuchs und andere Tiere. Diese ordnete Carl von Linné, ebenso wie den Haushund, den Wolf und den Schakal, der Hundefamilie zu. In unserem Buch trägt das Kapitel über diese Familie die Überschrift „Das alles sind Hunde“.
Wundere dich nicht, daß der langmähnige Löwe, der gestreifte Tiger, der schnelle Gepard und der gefleckte Luchs alle in einem Kapitel untergebracht sind (wo es ihnen ziemlich eng ist). Dieses Kapitel heißt „Das alles sind Katzen“. Alle hier aufgeführten Tiere gehören nämlich zur Katzenfamilie.
In den letzten zwei Kapiteln – „Das alles sind Antilopen“ und „Das alles sind Affen“ - werden ebenfalls enge Verwandte vorgestellt.

Illustrationen von T. Kapustina
Aus dem Russischen von Rita Schick
Für Kinder im Vorschulalter

Verlag Malysch Moskau

1. Auflage 1988

02 September 2023

Horst Irrgang: Ringelrosen Rittersporn – Kinderlieder und Kinderzeichnungen von Frühling und Sommer


Inhalt

Kuckuck, Kuckuck | Der Frühling hat sich eingestellt | Ringelrosen, Rittersporn | Ringelrosen, Rosmarin | Frühlingsblumen | Meine Blümchen haben Durst | Summ, summ, summ | Der Apfelbaum | Alle Vögel sind schon da | Auf unsrer Wiese gehet was | Storch, Storch Schnibelschnabel | Der Hahn, der Hahn, der krähet | Was scharrt die alte Henne | Mäh, Lämmchen, mäh | Osterhasenlied | Mein Roller | Mein Ball | Aber, aber, Herr April | Am Ersten Mai (Mailied) | Komm, lieber Mai | Der Mai, der Mai | Trarira, der Sommer, der ist da | Der Sommer ist zu loben | Wir wandern durch die Felder | Die Amsel singt | Mit den Kindern der Welt | Kleine weiße Friedenstaube | Am Kindertag, beim Fackelzug | Laterne, Laterne | Ich geh mit meiner Laterne | Wiese, grüne Wiese | Schmetterlinge | Durch den Wald gehn | Ein Männlein steht im Walde | Es wollen zwei auf Reisen gehn | Im Osten hinter den Wäldern | Heute ist das Wasser warm | Schon reift auf allen Feldern | Auf die Plätze - fertig - los! | Jetzt fahrn wir übern See | Spannenlanger Hansel | Wir sind die Apfelkinder | Die Pappel und die Weide | Hanselmann, wohin so eilig? | Wind, Wind | Drachenlied | Rote Blätter, gelbe Blätter |

Illustration
Die Zeichnung auf dem Einband ist von Antje Ferchland (6 Jahre), die für das vordere Vorsatzpapier von Susanne Tzschichhold (10 Jahre), die für das hintere Vorsatzpapier von Anja Leu (11 Jahre), der Linolschnitt auf Seite 3 ist von Bettina Gründig (11 Jahre), der auf Seite 64 von Jan Mannweiller (10 Jahre).
 
VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig

1. Auflage 1982
2. Auflage 1984
3. Auflage 1985
4. Auflage 1986
5. Auflage 1989

01 September 2023

Johannes Helm: Ellis Himmel


Leseprobe

Elli wohnt in einem Dorf zwischen Hügeln, Wiesentümpeln und weiten Feldern. Alle Winkel und Wege kennt sie dort. Sogar mit dem alten Rehbock und den Hasen ist sie vertraut. Aber die Unken in den Wassertümpeln sah sie noch nie. Immer wieder hat sie sich vorsichtig herangeschlichen und den klagenden Rufen gelauscht, doch die Unken blieben unsichtbar, zwischen dem Kraut unter Wasser versteckt. .....
..... Nur der Himmel spiegelt sich in dem glatten Wasser. Wenn es ein schöner Himmel ist, schaut Elli nach oben. Sie liebt Himmel über alles. Und deshalb sammelt sie Himmel, so wie andere Kinder Steine, Schmetterlinge und Briefmarken sammeln. Niemand weiß davon; schon seit dem Frühling ist es ihr Geheimnis.
Beim Dorffest am 1. Mai fing sie damit an. Alle freuten sich auf das Feuerwerk am Abend. Elli hatte noch nie eines gesehen. Als es dunkel wurde, zündete ihr Bruder die Kerzen in den Lampions an, und sie gingen zusammen mit anderen Kindern zum Seeufer hinunter.

erzählt und gemalt von Johannes Helm

Der Kinderbuchverlag, Berlin

1. Auflage 1981
2. Auflage 1982