EIN TAG DER KLEINEN AMEISE
Am Morgen weckten die ersten Strahlen der Sonne die kleine Ameise. Sie rieb schläfrig ihre Hinterbeine aneinander. Anscheinend – dachte sie – wird es heute ein sonniger Tag.
Ihr müßt wissen, daß sich die Ameisen jeden Morgen sorgfältig putzen. Dazu haben sie an den Vorderbeinen zwei prächtige Werkzeuge: einen Kamm und eine Bürste aus Chitinhärchen. Damit säubern sie ihren Körper gründlich von Schmutz. Tagsüber kämmen sie sich mehrmals die Fühler.
Die Ameisen sind nämlich sehr reinliche Insekten, und ihr Chitinpanzer glänzt nur so in der Morgensonne.
Im Ameisenhaufen begann die morgendliche Geschäftigkeit. Jedes Tier kannte seine Arbeit, Faulenzer und Tagediebe wurden im Haufen nicht geduldet.
DIE KLEINE AMEISE MACHT EINE ENTDECKUNGSREISE
„Guten Morgen!“ grüßte die eine Wächterameise. „Wohin so früh? Unter den Sträuchern und Bäumen liegt ja noch der kalte Morgennebel. Du wirst dich erkälten.“
Die kleine Ameise winkte fröhlich der mächtigen Wächterameise zu:
„Keine Angst. Vorhin habe ich den Kopf durch eine Lüftungsöffnung hinausgesteckt und gespürt, daß draußen ein warmer Wind weht.“
Und sie ging durch das offene Tor ins Freie. Immer höher stieg die Sonne am Himmel. Die kleine Ameise hatte noch nicht den Rand des Waldes erreicht, als sie schon fühlte, daß es immer heißer wurde. In der Nähe wuchs ein Löwenzahn mit einer weißen Haube. Der Wind trug einige Samen der Haube davon. Von jedem Samen winkte eine weiße Fahne der kleinen Ameise zu.
„Komm mit uns! Die Welt ist schön! Überall nur Sonnenschein.“
Die kleine Ameise lachte:
„Ja, wenn auch ich fliegen könnte! Aber es ist besser, ich bleibe hier auf der sicheren Erde. Eine Ameise kann sich leicht den Hals brechen, auch wenn sie auf dem Rücken des Windes, auf einem Blumenblatt reist. Leider können wir Ameisen nicht nach Belieben fliegen.“
Plötzlich ertönte eine dröhnende Stimme über ihrem Kopf.
„Hoho! Wohin so eilig?“
Die kleine Ameise sah sich um. Auf langen Beinen wippte eine mächtige Heuschrecke auf einem Grasbüschel am Straßenrand.
Mit ihrem steifen Panzerkragen, den gezückten Fühlern und stacheligen Beinen erinnerte sie an einen kriegerischen Ritter. .......
Titel des Originals: Hangyácska, Móra Könyvkiadó, 1977
Aus dem Ungarischen übertragen von Valér Nagy
Illustrationen: Péter Szecskó
Corvina Verlag, Budapest
1. Auflage 1981
Bücher und Schriftsteller, die in der DDR gelesen wurden. Schaut bitte nicht nur danach, ob hier jeden Tag Beiträge auflaufen, nutzt diesen Blog auch wie ein Lexikon. Er ist ein Langzeitprojekt, da ist es sicherlich verständlich, wenn zwischendurch immer mal wieder pausiert wird. Sei es, um nicht die Lust daran zu verlieren, aber auch, weil die Beiträge auch regelmäßig vorbereitet werden müssen. Wir wünschen Euch viel Spaß beim Stöbern und Erinnern oder neu entdecken.
24 Februar 2024
András Tasnádi Kubacska: Die kleine Ameise
23 Februar 2024
Dang Thanh: Lansdales Rechnung geht nicht auf
Klappentext:
Ein junger Mann, Dr. jur. Phan Thuc Dinh, trifft im Flugzeug von Saigon nach Hue ein junges Mädchen wieder, mit dem ihn gemeinsame Studentenerinnerungen an Paris verbinden. Schräg hinter ihm haben ein Vater und seine etwa zwölfjährige Tochter Platz genommen, angeregt plaudert die Kleine über alles mögliche. Wer vermutet schon schicksalhafte Zusammenhänge zwischen diesen vier Personen. Sie offenbaren sich dem Leser auch erst Schritt für Schritt und führen im Verlauf der Handlung dieses Kundschafterromans zu Aufschlüssen über ein von langer Hand geplantes und mit Raffinesse inszeniertes zielgerichtetes Zusammenspiel und mißtrauisches Gegeneinander von CIA und dem Familienclan des südvietnamesischen Diktators Ngo Dinh Diem. Über knapp zehn Jahre, von 1953 bis 1961, verfolgt der Autor die Bemühungen dieser reaktionären und machtgierigen Clique, mit Hilfe der neuen amerikanischen «Schutzpatrone» nach Vertreibung der französischen Kolonialherren in Vietnam wieder Fuß zu fassen, ein volksfeindliches Regime zu installieren und auf dem Wege dorthin jeglichen Widerstand zu zerschlagen. Dabei richtet sich der Terror in erster Linie gegen die vietnamesischen Kommunisten, die in den befreiten Gebieten die Volksmacht errichteten und den Widerstand in den anderen Landesteilen förderten. Daß es gelingt, einen Kundschafter auf einem exponierten Posten in der Ngo-Regierung unterzubringen, ist ein wesentliches Detail dieses Kampfes um die Unabhängigkeit und eine sozialistische Entwicklung in ganz Vietnam. So manchen hinterhältigen Plan und so manche verbrecherische Aktion kann X-30 durch sein Wirken zunichte machen, bevor er auf die richtige Seite der Barrikade zurückkehrt. Authentisches und Fiktives verschmelzen in dem Roman zu einer fesselnden Handlung mit einem vielschichtigen. Figurenensemble und bringen uns gleichzeitig ein Stück jüngster vietnamesischer Geschichte näher.
Buchanfang:
Phan Thục Dinh
Ngo Dinh Diem schaute sich die Brieftasche, die ihm Lansdale und Fishiel gegeben hatten, näher an.
«Wir haben das gute Stück unter die Lupe genommen», hatte Lansdale gesagt. «Tun Sie es bitte auch. In ein paar Tagen wird die New-Yorker Polizei den Eigentümer anrufen und ihm mitteilen, daß seine Brieftasche gefunden wurde.»
Die Saffianledermappe stammte aus Frankreich. Im Geldscheinfach steckten neben US-Dollars und französischen Francs Visitenkarten, auf denen in prägegedruckter Schönschrift Dr. jur. Phan Thuc Dinh stand. «Sieh da», murmelte Diem. «Er hat schon promoviert, der junge Mann.»
Dinhs Paß enthielt ein in Paris ausgestelltes Einreisevisum für die USA; im Paß lag ein Foto, das Dinh vor dem Eiffelturm zeigte.
Nachdem Ngo Dinh Diem den Inhalt der Brieftasche flüchtig überprüft hatte, verweilte sein Blick bei zwei Dingen: bei einem Bild der Heiligen Jungfrau, meisterhaft im Fotoatelier des Vatikans nach einer Skulptur angefertigt, und bei einer Aufnahme von Seiner Hochwürden, dem Vorsteher des Herz-Jesu-Seminars. Schlichter Glanz lag auf den vornehmen Gesichtszügen des Abtes. Seine Augen waren traurig und bekundeten Demut. Der matte Schein eines Lichtkreises umgab seinen Kopf. Diem kamen unwillkürlich die Kunstwerke des großen Leonardo da Vinci in den Sinn, so fesselte ihn das Porträt. Außerdem war es keine gewöhnliche Fotografie, denn er hatte natürlich, als er sie genau betrachtete, seinen Bruder Ngo Dinh Thuc erkannt. Nur die Brüder der Familie Ngo wußten, daß der Besitzer solch eines Fotos Thucs Kontrolle durchlaufen hatte und sein Vertrauen genoß. Ngo Dinh Diem vertraute zwar der amerikanischen CIA, aber noch mehr vertraute er seinen Brüdern und in dem Falle Thuc. Dieser unterhielt in Vietnam ein verzweigtes Informationsnetz, ......
Originaltitel: Dang Thanh, X. 30 Pha Luoi
Der deutschen Ausgabe liegt die 1979 in Moskau erschienene russische Übersetzung zugrunde.
Sie wurde von Jochen Martin ins Deutsche übertragen und nach dem Original bearbeitet.
Schutzumschlag und Einband: Erhard Schreier
Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin
1. Auflage 1984
Wilhelm Groh: Kirschen und Pflaumen
Buchanfang:
Einführung
Kirschen und Pflaumen sind Obstarten mit hohem gesundheitlichem Wert. Sie haben eine große Anbaubreite und sind in fast allen Gärten anzutreffen. Viele Sorten sind anspruchslos und dabei von Natur aus sehr fruchtbar. Es ist deshalb verständlich, daß jeder Gartenfreund für diese Obstarten großes Interesse zeigt. Die Früchte reifen im Sommer und sind in frischem Zustand nicht lange haltbar. Da der Garten aber nicht nur Obst zur sofortigen Verwendung, sondern in erster Linie Winterobst bringen soll, muß zwischen dem rasch verderblichen Steinobst und den Wintersorten des Kernobstes das richtige Verhältnis gefunden werden. Die Zahl der Steinobstbäume wird deshalb immer beschränkt werden müssen. Um so mehr ist Wert darauf zu legen, daß diese Bäume regelmäßig und reich fruchten. Das erfordert sowohl eine standortgemäße Arten- und Sortenwahl als auch eine sachgemäße Pflege. Die Anspruchslosigkeit dieser Obstarten darf nicht dazu führen, daß die Bäume sich selbst überlassen bleiben. Wird dies von Anfang an berücksichtigt, kann der Anteil der Kirschen- und Pflaumenbäume am Gesamtbestand der Obstbäume verhältnismäßig niedrig gehalten werden.
Die nachfolgenden Ausführungen sollen in erster Linie dem Kleingärtner, Siedler und Hausgartenbesitzer Hinweise für einen erfolgreichen Anbau dieser Obstarten geben. Sie werden aber auch dem Beschäftigten im Obstbaubetrieb von Nutzen sein.
Inhalt:
Einführung
9 Gesundheitlicher Wert der Süßkirschen, Sauerkirschen und Pflaumen
12 Volkswirtschaftliche Bedeutung des Anbaus von Süßkirschen, Sauerkirschen und Pflaumen
14 Botanische Zugehörigkeit der Kirschen- und Pflaumenbäume
16 Anzucht der Süßkirsch-, Sauerkirsch- und Pflaumenbäume
16 Baumform
18 Unterlagen
23 Anbau der Süßkirsche
24 Standortansprüche
28 Pflanzung
28 Baumform
35 Pflege der Süßkirschbäume
35 Bodenbearbeitung
38 Düngung
42 Schnitt
54 Pflanzenschutz
67 Ernte und Verarbeitung der Süßkirsche
72 Süßkirschsorten
85 Befruchtungsverhältnisse der Süßkirsche
87 Anbau der Sauerkirsche
87 Standortansprüche
90 Pflanzung
92 Pflege der Sauerkirschbäume
93 Schnitt
108 Pflege der Sauerkirschbäume
112 Ernte und Verarbeitung der Sauerkirsche
116 Sauerkirschsorten
129 Anbau der Pflaume
129 Standortansprüche
132 Pflanzung
134 Pflege der Pflaumenbäume
134 Bodenbearbeitung
135 Düngung
135 Schnitt
146 Pflanzenschutz
155 Ernte der Pflaumen
158 Verarbeitung der Pflaumen
160 Pflaumensorten
181 Sachwortverzeichnis
VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin
Reihe: Bücher für den Gartenfreund
1. Auflage 1969
2. Auflage 1972
3. Auflage 1977
22 Februar 2024
Klaus Margraf: Pflanzenschutzmittel für den Garten
Einbandtext:
In dieser Broschüre wird das in Kleinabpackungen angebotene Sortiment an Pflanzenschutzmitteln vorgestellt.
Einleitend findet der Leser allgemeine Hinweise zum Pflanzenschutz im Garten. Ihnen folgen die Beschreibungen der Mittel gegen Schadinsekten, gegen Milben, gegen Pilzkrankheiten, gegen Unkräuter und gegen Nagetiere. Ein gesonderter Abschnitt ist sonstigen Präparaten gewidmet. Am Schluß wird über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln im Garten informiert, und verschiedene Fachbegriffe werden erläutert.
Buchanfang:
Vorwort
Das Pflanzenschutzmittelsortiment für den Kleinverbraucher enthält eine große Anzahl an Präparaten zur Bekämpfung von Insekten, Milben, Pilzkrankheiten, Unkräutern und Nagetieren sowie zur Verbesserung der Lagerfähigkeit von Kartoffeln und Äpfeln. Die Beschreibung der Präparate, ihrer Wirkungsweise, Wirkungsbedingungen und Anwendungsmöglichkeiten gestatten dem Gartenfreund, sich einen Überblick über die Präparate zu verschaffen und für den jeweiligen Zweck das geeignetste Mittel auszuwählen sowie gezielt und mit viel Sachkenntnis zu verwenden. Dazu wird es notwendig, entsprechend dem Angebot und den eigenen Erfordernissen, sich eine Pflanzenschutzapotheke mit den entsprechenden Präparaten einzurichten.
Mit der Neuentwicklung von Pflanzenschutzmitteln auch für Kleinverbraucher und Erweiterungen von Anwendungsbereichen durch neue staatliche Zulassungen sowie Veränderungen von Karenzzeiten kann es nach Fertigstellen dieses Büchleins zu neuen Erkenntnissen kommen. Die hier dargelegten Erfahrungen entsprechen dem Stand von 1985. Vor dem Einsatz eines Mittels muß man sich deshalb die Hinweise in den Prospekten und Gebrauchsanweisungen durchlesen. Präparate, die zur Bekämpfung von Hausungeziefer einzusetzen sind, werden speziell nicht behandelt.
Umschlaggestaltung: R. Wendt/Christiane Gottschlich
VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin
Reihe: BfG - Bücher für den Gartenfreund
1. Auflage 1986
2. überarb. Auflage 1990
20 Februar 2024
August Kopisch: Die Heinzelmännchen
Wie war zu Köln es doch vordem
mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul – man legte sich hin
auf die Bank und pflegte sich;
da kamen bei Nacht,
ehe man's gedacht,
die Männlein und schwärmten
und klappten und lärmten
und rupften
und zupften und hüpften
und trabten und putzten und schabten.
Und eh' ein Faulpelz noch erwacht,
war all sein Tagewerk bereits gemacht.
Illustrationen: Rainer Sacher
Verlag Karl Nitzsche, Niederwiesa
Lizenz des Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1990
.......................................................................................................................................................................
![]() |
| Szene aus „Die Heinzelmännchen“, 1987, mit Scherenschnitten von Regina Gebhard |
Buchtitel:
Die Heinzelmännchen – ein Gedicht für Kinder
Postreiter-Verlag, Halle
Mit Scherenschnitten vers. von Regina Gebhard
1. Auflage 1987
2. Auflage 1990
.......................................................................................................................................................................
Buchtitel:
Wie war zu Köln es doch vordem ... : Die Kölner Heinzelmännchen
Die wundersame Geschichte der fleissigen Heinzelmännchen in Köln, die des Nachts alle Arbeiten für die Bürger erledigen, bis, ja bis eines Nachts die neugierige Frau des Schneiders die Heinzelmännchen beobachten will und fort sind sie und nimmermehr gesehen und seitdem muß ein jeder in Köln seine Arbeiten wieder selber machen.
Illustrationen von Hertha Ruhrmann
Gebrüder Knabe Verlag, Weimar
1. Auflage 1948
Alfred Wellm: Der Hase und der Mond – Namibische Fabeln und Märchen
kommen aus einem Land, das sehr weit von uns ab liegt, aus Namibia, aus dem Südwesten Afrikas. Ich habe sie gesammelt und nacherzählt. Aber vielleicht wollt ihr erfahren, wie ich daraufgekommen bin.
Ich lernte eines Tages Marcus, Clefton, Esme, Sio und viele andere namibische Kinder kennen. Sie waren noch klein, hatten sehr dünne Beine und dicke Hungerbäuche, und sie hatten schon viel Grausames durchgemacht. Denn Namibia ist ja nicht frei. Ihre Eltern hatten mit ihnen, um sich zu retten, das Land verlassen müssen, und so hatten sie lange in Flüchtlingslagern gelebt. Aber auch dort waren sie sich ihres Lebens nie sicher gewesen, denn oft waren südafrikanische Soldaten über die Grenze gekommen und hatten die Lager überfallen. Esme, sie war damals vier Jahre alt, hatte mit angesehen, wie ihre Eltern und ihr Bruder erschossen wurden. Viele, sehr viele Kinder haben ihre Eltern verloren. Andere Kinder haben noch Narben an den Armen, den Beinen oder auf dem Rücken, die von Gewehrkugeln oder Bombensplittern herrühren. Eine Schar solcher Kinder also zog nun eines Tages in ein Kinderheim, das in einem meiner Nachbardörfer steht. Sie haben sich dort schnell erholt, und sie lernten in erstaunlich kurzer Zeit unsere Sprache sprechen, so daß wir uns bald gut über alles unterhalten konnten. Ich habe sie oft besucht, oder sie kamen zu mir – sie können anmutig tanzen und laut und lebhaft singen.
Aber ich stellte bald fest, daß sie gar keine Märchen kannten. Das war mir ganz unerklärlich. Doch dann erfuhr ich, daß sich ja vieles in der Lebensweise der namibischen Menschen verändert hat, daß man ihnen ihre Herden und das Land genommen hat und sie bei den weißen Farmern arbeiten mußten. Und daß es ihnen verboten worden war, im Kraal (im Hirtendorf) ihre Feste zu feiern und sich am Feuer zu versammeln, wie sie das ja früher immer getan hatten. Sie hatten getanzt und gesungen oder am Feuer gesessen und ihre Mythen, Fabeln und Märchen erzählt. Aber das alles durften sie nicht mehr. So war es schließlich gekommen, daß ihre Erzählungen verlorengingen. Und nicht nur das, sondern auch ihre alten Bräuche und viele ihrer Lieder und Tänze sind ihnen auf diese Art genommen worden.
Diese Informationen haben mich tief erschüttert. Ich habe mir daraufhin alte Bücher schicken lassen, in denen Aufzeichnungen von Missionaren veröffentlicht waren, die schon vor der Kolonialzeit dort gelebt hatten und die Menschen zum Christentum hatten bekehren wollen (z.B. Briefe von G. Krönlein und anderen). Da stellte ich fest, daß die namibischen Stämme früher einen sehr reichen Erzählschatz gehabt haben. Und das ist gar nicht verwunderlich, denn sie waren einst mit ihren Rinderherden viel umhergezogen und hatten mit zahlreichen anderen Stämmen und Völkern Berührung gehabt und ihre eigene Kultur somit ständig bereichert. Gefielen ihnen die Mythen und Fabeln der anderen, so übernahmen sie diese und erzählten sie in ihrer Weise. Sie erzählten gern, und in jedem Kraal gab es wahre Erzählkünstler unter ihnen. Das wiederum bereicherte ihre Sprache. Ja, manche namibischen Stämme haben eine Sprache, die an Ausdruckskraft und -vielfalt wahrscheinlich der unseren überlegen ist.
Ich habe die Aufzeichnungen der Missionare immer wieder gelesen. Manches war nur bruchstückhaft niedergeschrieben, aber es gab einen Einblick in diese Welt. Außerdem habe ich an vielen Nachmittagen mit einem Kreis namibischer Frauen zusammengesessen, mit Ndahafa, Nambata, Alina, Franzina und Elina, und wir haben uns über ihre Heimat unterhalten, über den Kampf um die Befreiung Namibias, aber auch über die Tiere und Pflanzen und über das Leben dort. So daß ich mich schließlich daranmachen konnte, ihre früheren Fabeln und Märchen nachzuerzählen. Dies hier ist nur ein kleiner Teil davon. Ich bin noch bei der Arbeit, später will ich euch einmal ein dickes Buch vorlegen.
Lohmen, Juli 1984
Alfred Wellen
Inhalt:
Vorwort 5
Die alte Frau und die Ziege 9
Der Ursprung des Todes 12
Der Pavian und die Schlange 14
Vom Löwen, der sich in eine Frau verwandelte 17
Der Leopard und der Widder 24
Warum der Reiher einen geknickten Nacken hat 27
Der Hase und der Löwe 30
Warum der kleine Fuchs schneller als der Löwe laufen kann 33
Vom kranken Löwen, der Hyäne und dem schlauen Schakal 35
Wie der Schakal den Löwen überlistete 37
Das Ungeheuer 39
Das Weisheitskrämerchen 44
»Genug!« sagten die Damara 50
Der Affe und das Krokodil 56
Namibische Sprichwörter 59
Illustrationen von Eva Natus-Šalamoun
Für Leser von 9 Jahren an
Der Kinderbuchverlag, Berlin
1. Auflage 1985
2. Auflage 1986
3. Auflage 1987
4. Auflage 1988
5. Auflage 1989
Marek Jaworski: Janusz Korczak – Aufopferungsvolle Liebe zum Kind
Klappentext:
In seinem Leben kam alles etwas anders.
Er hieß Henryk Goldszmit und wurde bekannt als Janusz Korczak.
Als Kind jüdischer Eltern fühlte er sich vor allem als Pole. Er wurde ein guter Arzt, aber Ruhm erwarb er als Erzieher und Schriftsteller.
Er stammte aus wohlhabendem Hause, hätte in diesen Kreisen Karriere machen können, aber er wandte sich den Waisen und Armenkindern zu, verzichtete auf eigenen Wohlstand.
Er hätte leben, dem Ghetto entfliehen können, aber er ging mit den ihm anvertrauten Kindern ins Gas von Treblinka.
Er wollte elternlose Kinder für das Leben rüsten, doch seine letzte Tat war, sie für den Tod zu wappnen.
Janusz Korczak, geboren am 22. Juli 1878 in Warschau, gestorben Anfang August 1942 im Todeslager Treblinka, ging seinen Weg als tätiger Humanist bis zur letzten Konsequenz. Sein Name, sein Leben und Wirken wie sein Sterben stehen für viele, die in jener Zeit, als Europa unter der Geißel des Faschismus blutete, menschliche Würde bewahrten, nachfolgenden Generationen Mahnung und Hoffnung zurücklassend. Anhand seiner Schriften, hinterlassener Dokumente und der Erinnerungen von Menschen, die Korczak kannten, zeichnet der Autor den Lebensweg dieses großen Humanisten auf, zeigt, wie diese Persönlichkeit geformt wurde und formend auf andere wirkte, welches Erbe uns Korczak als Erzieher und Humanist hinterließ.
Inhalt:
Das Maß der Würde 7
Aus eigener Kraft 12
Von der Medizin zur Pädagogik 30
Unter Kindern 42
Für Jung und Alt 74
Janusz Korczak und das Theater 86
Dunkle Wolken am Himmel 101
Korczak lebt 138
Nachwort von Professor Dr. Stefan Wołoszyn 148
Janusz Korczaks wichtigste Werke 160
Personenregister 162
Ins Deutsche übertragen von einem Übersetzerkollektiv des Verlages Interpress, Warschau
Gesamtgestaltung: Egon Hunger, Leipzig
Herausgegeben von Wolfgang Genschorek und Albrecht Gläser
BSB B. G. Teubner Verlagsgesellschaft, Leipzig / S. Hirzel Verlag, Leipzig
Rehe: Humanisten der Tat / Hervorragende Ärzte im Dienste des Menschen
1. Auflage 1979
2. Auflage 1983








